Samstag, 1. April 2017

Ein Glücksgriff: Joern and the Michaels im Forum



Joern and the Michaels im Landschaftsforum, Foto: Ufkes
Für mich ist die Besetzung mit Klavier, Schlagzeug und E-Bass eher ungewöhnlich, aber die drei jungen Männer von „Joern and the Michaels“ haben es drauf. Gleich das erste Stück ist klug gewählt: Sie grooven sich langsam, aber sicher ein. Das Publikum entspannt sich, wippt mit. Der Applaus im Anschluss ist dementsprechend. Die „Bonuswelle“ haben sie damit gut ausgenutzt, bevor sie zum „Affentanz“ übergehen.

Kennengelernt haben sich „Joern and the Michaels“ vor mehr als sechs Jahren. Alle spielen sie gerne laut, aber bei weitem nicht zu laut. In der Pressemitteilung habe ich dann doch auf einen Satz verzichtet, um nicht potenzielle Zuhörer abzuschrecken: „Nachbarn beschwerten sich über die Lautstärke, bis die Polizei anrückte und dem Auftritt ein jähes Ende bereitete.“ Direkte Nachbarn haben wir nicht neben dem Landschaftsforum, aber auch die Gäste im Saal machen nicht den Eindruck, als sei es ihnen zu heftig.

Ein bisschen verrückt müssen sie sein, die beiden Michaels und der Schlagzeuger Jörn. Sonst würden sie vermutlich nicht einen Abend, bevor sie in Riga, gefolgt von Helsinki und St. Petersburg, in Aurich in Ostfriesland auftreten. Aber nun. Die Nacht wird kurz, der Flieger geht eher.
Die Musik ist gut, schwankt zwischen tiefenentspannt und groovig, mal in sich gekehrt, mal etwas fordernder und lauter, aber in meinen Ohren dennoch ausbalanciert.

Gute Stimmung im Forum, Foto: Luebben
Der Titel des Programms ist der gleiche wie der der ersten CD von 2013: „Kick Jazz“. Auf dem Booklet heißt es: „'KickJazz' ist eingängig-tanzbar und gleichzeitig herausfordernd-bunt, ohne dabei in der Gesamtheit den roten Faden missen zu lassen.“ Tanzen würde ich nun nicht zu dieser Musik. Aber man muss sich selbst ein Bild davon machen. Sie spielen einen Querschnitt ihres Œuvres, das neben Stücken der „Kick-Jazz-CD“ auch welche vom 2015 erschienenen Album „Yeah! Oh Yeah!“ umfasst.

Mir gefallen besonders die warmen Töne des Klaviers, wunderbar gespielt von Michael Linke, aber das ist meine persönliche Vorliebe. E-Bassist Michael Haupt und Schlagzeuger Jörn Peeck beherrschen ihre Instrumente ebenso gut, und die drei ergänzen sich perfekt. Der Applaus der rund 60 Gäste nimmt zu, einigen entfahren bewundernde Laute. Auch wenn sonst schon einmal das E-Piano auf der Bühne zum Einsatz kommt, ist die Freude bei den drei Herren groß, dass dort heute der frischgestimmte Steinway-Flügel steht: Man merkt es ihnen an!

Nach der Pause wird es noch grooviger. Das Rhythmusgefühl der Gäste wird auf die Probe gestellt. Wer sich bewegt, hat gewonnen: Es sind die meisten. Keiner ist gegangen. Manchmal wird es schräg, aber das ist eher witzig. Alle haben Spaß. Zwischendurch spielen sie sich in Ekstase. Zwischenapplaus ist etwas Feines. Und Schnelligkeit ist keine Hexerei!

Zum Ende wird es noch einmal zart und ruhig. Feinste Klangseide wird gesponnen, verdichtet, zelebriert. „Wiesbaden“ setzt den Schlusspunkt, natürlich doch wieder etwas lebendiger. Michael holt aus seinem Bass faszinierende Töne. Der andere Michael genießt noch einmal den Flügel. Jörn ist nicht nur ein solider Begleiter, sondern wechselt die Rhythmen und heizt am Schlagzeug ein. „Jörn and the Michaels haben sich als Glücksgriff zum Auftakt in die neue Saison im Landschaftsforum entpuppt! Und als Zugabe wird noch mal eben kurz ein Feuerwerk entfacht.

Hartnäckig erklatschen sich die enthusiastischen Gäste doch noch eine Zugabe, die ein wenig an Rock 'n' Roll erinnert – und der wäre nun wirklich tanzbar.

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