Dienstag, 26. April 2016

Jan Prax Quartett bringt New Orleans nach Aurich

Jan Prax Quartett, Foto: Dirk Lübben
Als ich am letzten Freitagabend ins Landschaftsforum kam, hatte ich gar keine Lust auf Konzerte und Musik und wollte mich am liebsten ins Bett legen. Auch wenn das Jan Prax Quartett natürlich ein verheißungsvoller Name ist. Das junge Quartett wird sicherlich wegweisend für die künftige Jazz-Szene in Deutschland sein, wenn sie es denn nicht schon sind. Und wann hat man solche Leute schon mal außerhalb der Gezeitenkonzerte in Ostfriesland?!

Hinter mir lag allerdings eine lustige, aber auch sehr anstrengende Seminarwoche ohne Internet, Handynetz und morgens sogar ohne warmes Duschwasser in Rhauderfehn. Geschlafen hab ich da sowieso nicht und war beim Konzertbeginn um 20:00 Uhr dementsprechend müde. Das änderte sich aber spätestens beim zweiten Stück des Quartetts. Alle vier Musiker trugen wilden Jazz mit hoher Virtuosität und Begeisterung vor, sodass ich auch gleich wieder wach war. Kaum einer im Saal wippte nicht mindestens mit dem Fuß mit. Nach allen Stücken war frenetischer Applaus mit Begeisterungsschreien zu hören, wie man sie eher bei Rockkonzerten erwartet. Und das nicht zu Unrecht: Was sich die Musiker an Worten sparten, machten sie musikalisch wieder wett. Saxophonist und Namensgeber Jan Prax holte Töne aus seinem Saxophon, die manchmal an Schreie eines Metal-Sängers erinnerten. Dies ist aber keineswegs als Kritik zu sehen. Gerade dieser starke Ausdruck aller Musiker trug sehr zum Gelingen des Konzerts bei. Rhythmisch war die Band aufgrund des Schlagzeugs äußerst präzise, vor allem im Zusammenspiel. Auch wenn beim Free-Jazz die Harmonik auf den ersten Blick verwirrend erscheint. Als Klavierspieler kann ich beurteilen, wie schwierig Jazz-Begleitung oder gar die Soli sind. Trotzdem sah es für den Zuschauer immer leicht und locker aus. In der hohen Kunst der Improvisation, welche den „klassischen“ Musikern meistens ein wenig schwerfällt, war das Quartett meisterhaft auf sich abgestimmt.
Jan Prax Quartett, Foto: Dirk Lübben
Wer leicht-flockigen Swing erwartete, war hier fehl am Platz. Neben der Präsentation der CD
„Keeping a Style Alive“ durften wir Zuhörer sogar eine Uraufführung genießen. Eine große Ehre für uns, zumal mich ein Zuschauer fragte: „Wie habt ihr die denn hierher bekommen? Die gehören ja eigentlich nach Montreux!“ Zu Recht, wie wir finden, denn die Musiker waren an diesem einmaligen Abend nicht nur die Aufführenden, sondern auch die Komponisten der Werke. Auch beim anschließenden Bierchen (an dieser Stelle nochmal vielen Dank an das Team von „Mythos“, das für uns länger geblieben ist) stellten sich alle Musiker als nette und witzige Typen heraus, die trotz des Pressetermins bei der jazzahead!-Messe am nächsten Tag in Bremen gar keine Anstalten machten, ins Bett zu gehen. Ich kam schließlich um ein Uhr morgens zuhause an, war aber gar nicht mehr müde.
Das Landschaftsforum pausiert jetzt erst einmal, denn der Oll' Mai und natürlich die Gezeitenkonzerte stehen für uns vor der Tür. Im September dürfen Sie sich aber gleich zweimal auf das Trio Macchiato (Aurich und Steinhaus Bunderhee) und im Oktober auf das Lisbeth Quartett freuen. Auch bereits im Sommer können Jazz-Freunde bei unserem Festival beispielsweise mit dem Tingvall-Trio am 14. Juli im Park der Gärten auf ihre Kosten kommen. Wenn Ihnen die in diesem Bericht beschriebene Musik gefällt, sie aber (wie auch ich selbst) eigentlich die sogenannte klassische Musik bevorzugen, möchte ich Ihnen auch noch das Konzert von Spark - die klassische Band am 29. Juni im EEZ in Aurich ans Herz legen. Karten gibt es unter www.ostfriesischelandschaft.de/gezeitenkonzerte, per Mail an karten@ostfriesischelandschaft.de oder telefonisch unter 04941 179967.

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