Mittwoch, 12. Dezember 2012

Lukas Kromminga ist Gewinner des Schülerpreises 2012

Lukas Kromminga und Dr. Rolf Bärenfänger
bei der Verleihung des Schülerpreises 2012
Wie bereits gepostet, wurde in der letzten Woche zum dritten Mal der Schülerpreis für ostfriesische Kultur und Geschichte im Landschaftsforum vergeben. Die siebenköpfige Jury hatte über zwölf Beiträge zu befinden und vergab den ersten Preis an Lukas Kromminga für dessen Arbeit „Gab es Euthanasie während der nationalsozialistischen Zeit auch in Ostfriesland?“ Der 18-Jährige ist Schüler des 12. Jahrgangs der IGS West in Aurich und kommt aus Strackholt. 

Persönlich freue ich mich über jeden Jugendlichen, der sich Gedanken darüber macht, was in der Zeit des Dritten Reiches in Ostfriesland passiert ist, zumal die Zeitzeugen langsam aber sicher wegfallen oder sich ganz aktuell wie der Wahl-Ostfriese Otto Uthgenannt als Schwindler enttarnen lassen. Irgendwie hat man ja immer die leise Hoffnung, das beschauliche Ostfriesland ist so weit weg von allem, dass es hier nicht so schlimm gewesen sein kann. Euthanasie in Ostfriesland – gab es die wirklich? 

Lukas Krommingas Oma hatte ihm von Geschwistern des leider schon verstorbenen Opas erzählt, die bereits im Kindesalter aufgrund einer Behinderung umgebracht wurden. Das hat den jungen Mann dazu veranlasst, sich genauer mit dem Thema Euthanasie in Ostfriesland auseinander zu setzen. Die Facharbeit ist auf der Homepage der Ostfriesischen Landschaft nachzulesen. 

Übergeben wurden Urkunde und Preisgeld in Höhe von 500 Euro vom Juryvorsitzenden Dr. Rolf Bärenfänger von der Ostfriesischen Landschaft. Das Urteil fiel übrigens einstimmig aus. 

Viel Lob und Anerkennung gab aber auch die anderen Beiträge. Jury-Mitglied Dr. Paul Weßels von der Landschaftsbibliothek sagte in seiner Laudatio dass, allein die unterschiedliche Themenwahl zeige, „wie vorbildlich eng in diesem Arbeiten die Aspekte Strukturentwicklung und lokale und regionale Geschichte miteinander verknüpft wurde". Weitere Beiträge kamen vom Ulrichsgymnasium Norden (insgesamt fünf aus dem Kurs „Geoökologie und Raumgeschichte Ostfrieslands“), und drei Arbeiten setzen sich mit der ostfriesischen Sprach- und Volkskultur auseinander. Eine weitere ergab sich aus einer Befragung verschiedener ostfriesischer Verlage zur Zukunft der niederdeutschen Literatur im 21. Jahrhundert. Ein wenig aus dem Rahmen fiel die Arbeit von Tina Henkel, die unter dem Motto "Something to spray" Schablonenkunst im öffentlichen Raum betrachtete.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Bauern und die Macht im Dorf – Vortrag im Landschaftsforum

Dr. des. Jessica Cronshagen (Oldenburg)
Am kommenden Montagabend (10. Dezember) um 19:30 Uhr laden Landschaftsbibliothek und Staatsarchiv zum Vortrag „Bauern und die Macht im Dorf. Die friesischen Hausleute als ländliche Elite der Frühen Neuzeit“ von Dr. des. Jessica Cronshagen zu uns ins Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft ein. Der Eintritt kostet 4,00 Euro. 

 
In der Einladung von Bibliothek und Staatsarchiv heißt es:
„Die ländliche Welt der frühen Neuzeit interessiert uns heute als eine vielschichtige, farbenfrohe, mobile und nicht zuletzt regional sehr eigenartige Welt. Das überkommene, starre Bild der hierarchisch gegliederten Ständegesellschaft ist dagegen durch die Wissenschaft längst revidiert. Ein Blick auf die Marschengebiete an der Nordsee zeigt, dass sich großbäuerliche, selbstbewusste „Hausleute“ das Land mit von ihnen abhängigen kleinbäuerlichen Warfsleuten und Landarbeitern teilten. Eine Abhängigkeit vom Adel kannten die Hausmänner nicht und ein entweder schwacher oder weit entfernter Fürst spielte im Alltag ebenfalls kaum eine Rolle. Selbstbewusst und auf Distinktion bedacht, lebte und inszenierte sich der friesische Hausmann als der Herr im Dorf. Das Fürstentum Ostfriesland war in der Marsch im besonderen Maße von diesen Hausleuten geprägt. Die großen Höfe der Polder spiegelten die großbäuerliche Struktur des Landes, die sich im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts weiter verfestigte: Obgleich eine Minderheit auf dem Land, so war die Herrschaft dieser Großbauern über die kleinen Leute des Dorfes doch zumindest auf der Marsch nahezu unbestritten.
In dem Vortrag sollen die Hausleute auf ihrem Weg zur Elite der Marsch begleitet werden: Wer waren und woher kamen sie? Warum blieb ihre Macht auch jenseits feudaler oder politischer Legitimation praktisch unangefochten? Und warum war es so wichtig, Macht und Reichtum derartig offensiv zu repräsentieren, dass ihre Kultur die der Nordseemarschen bis heute bestimmt?“ 


Jessica Cronshagen hat 2010 an der Uni Oldenburg ihre Dissertation zum Thema „Das Selbstverständnis von Großbauern im niederländisch-deutschen Grenzbereich am Beispiel der Gebiete Ostfriesland, Jever und der Oldenburger Marsch im 18. Jahrhundert“ am Institut für Geschichte, Abt. Geschichte der Frühen Neuzeit, abgeschlossen. Zurzeit hält sie dort Vorlesungen an der Fakultät für Human- und Geisteswissenschaften.